E-Auto mit Photovoltaik laden: Lohnt sich der Sonnenstrom?
Ein ehrlicher Vergleich: Was PV-Überschuss, Haushaltsstrom und die öffentliche Säule wirklich kosten — mit Ladeverlusten, Wallbox-Anmeldung und der Frage 1- oder 3-phasig.

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Ein E-Auto mit Photovoltaik laden — das klingt nach Gratis-Strom aus der eigenen Sonne. So einfach ist es nicht, aber es lohnt sich oft trotzdem. Denn dein Auto ist der größte flexible Stromverbraucher im Haushalt — sein Akku schluckt ein Vielfaches jedes Heimspeichers. Jede Kilowattstunde, die tagsüber in den Akku fließt statt für ein paar Cent ins Netz, ist bares Geld wert. Der Trick ist das Timing.
Ziel ist nicht „so schnell wie möglich", sondern „so viel Sonne wie möglich" — die Wallbox drosselt sich auf genau das, was gerade übrig ist.
Der Spread: Warum sich das E-Auto mit Photovoltaik laden rechnet
Der Denkfehler steckt im Wort „gratis". Lädst du mit Sonnenstrom, sparst du nicht den vollen Strompreis — sondern den Spread. Das ist die Differenz zwischen dem, was du für Netzstrom zahlst, und dem, was du für dieselbe Kilowattstunde als Einspeisevergütung bekommen hättest. Für eine Neuanlage sieht das 2026 so aus:
- PV-Überschuss: Einspeisevergütung 7,70 ct/kWh (gesetzlicher Satz ab August 2026, Anlagen bis 10 kWp).
- Haushaltsstrom: 2026 im Mittel rund 37 ct/kWh.
- Öffentlich laden: als Annahme rund 55 ct/kWh (Stand 2026, kein Festwert).
Dein Spread ist also 37 − 7,70 = rund 29 ct je Kilowattstunde. So viel sparst du wirklich, wenn du eine sonst eingespeiste kWh selbst ins Auto lädst. Ein Rechenbeispiel: Ein Pendlerauto fährt 12.000 km im Jahr und braucht inklusive Ladeverluste rund 2.376 kWh. Diese Menge kostet dich, komplett aus PV-Überschuss geladen, nur die entgangene Einspeisung von rund 183 € — an der eigenen Steckdose wären es rund 879 €, an der öffentlichen Säule rund 1.307 €. Lädst du 60 % aus der eigenen Sonne, bringt das gegenüber Haushaltsstrom rund 418 € im Jahr.
Was heißt das für dich? Diese Euro-Beträge gelten für eine Neuanlage mit 7,70 ct Einspeisevergütung. Hast du eine ältere Anlage mit höherer Vergütung, ist dein Spread kleiner — und damit auch die Ersparnis. Bei den „goldenen Jahrgängen" um 2009 bis 2012 liegt die Einspeisung teils über dem Strompreis; dann lohnt sich das Selberladen bis zum Förderende überhaupt nicht. Rechne mit deinem eigenen Satz, nicht mit dem Prospekt.
Ladeverluste — der ehrliche Blick
Zwischen Steckdose und Akku geht Strom verloren: fürs Umwandeln, Kühlen und die Bordelektronik. Diese Verluste zahlst du mit, und sie hängen stark von der Ladeleistung ab. An der normalen Haushaltssteckdose (Schuko) liegen sie bei 10 bis 30 %, an einer 11-kW-Wallbox nur bei 5 bis 10 %. Ein VW ID.3 verliert an der Steckdose rund 13,6 %, an der Wallbox 9,0 %; ein Renault Zoe an der Schuko sogar über 24 %.
Dabei gibt es einen Zielkonflikt: Je langsamer du lädst, desto höher der prozentuale Verlust — Standby und Nebenverbraucher laufen über die längere Zeit weiter. Stark gedrosselt steigen die Verluste wieder auf rund 9 bis 14 %. Wichtig: Dauerhaft an der Schuko-Steckdose zu laden ist keine Lösung — hohe Verluste und ein echtes Brandrisiko. Eine feste Wallbox vom Elektrofachbetrieb ist Pflicht, nicht Luxus.
1-phasig, 3-phasig und die Wallbox-Anmeldung
Ob deine Box ein- oder dreiphasig lädt, entscheidet, wie gut sie zum Sonnenstrom passt. Der kleinste Ladestrom liegt bei 6 Ampere je Phase — daraus ergeben sich zwei Startschwellen:
- Einphasig: startet schon ab rund 1,4 kW — gut für trübe Tage —, deckelt dich in der Praxis aber auf etwa 3,7 kW.
- Dreiphasig (11 kW): lädt schnell, springt aber erst ab rund 4,2 kW an. An trüben Wintertagen bleibt so eine Box oft stundenlang kalt.
Am elegantesten ist eine Wallbox mit automatischer Phasenumschaltung: Sie beginnt einphasig ab 1,4 kW und schaltet bei viel Sonne selbsttätig auf drei Phasen hoch. Ohne diese Funktion gibt es kein wintertaugliches Überschussladen.
Vor dem ersten Laden gilt: Jede Wallbox musst du dem Netzbetreiber melden (§ 19 NAV). Boxen bis 11 kW sind nur anmeldepflichtig — der Netzbetreiber darf nicht widersprechen. Über 11 kW brauchst du zusätzlich eine Genehmigung. Die Anmeldung übernimmt meist dein Elektrofachbetrieb; frag aktiv danach. Und: Fast jede feste Box über 4,2 kW ist seit 2024 eine „steuerbare Verbrauchseinrichtung" nach § 14a EnWG — der Netzbetreiber darf sie bei drohender Netzüberlastung kurz drosseln (nie ganz abschalten, mindestens 4,2 kW bleiben garantiert), und du bekommst dafür ein reduziertes Netzentgelt.
Fazit: Für wen sich der Sonnenstrom lohnt
Kannst du tagsüber laden — Home-Office, Wochenende oder das Auto steht zur Mittagsspitze an der Box —, ist PV-Überschuss die mit Abstand günstigste Quelle, deutlich vor Haushaltsstrom und weit vor der öffentlichen Säule. Im Winter, wenn kaum Überschuss anfällt, verlagerst du das Laden über einen dynamischen Tarif in die günstigen Nachtstunden. Achte beim Kauf auf automatische Phasenumschaltung und einen Energiemanager (oder die kostenlose Software evcc) — und lass die Box vom Fachbetrieb installieren und anmelden. Eine Wallbox nur „auf Vorrat" wegen bidirektionalem Laden (Strom zurück ins Haus) zu kaufen, lohnt sich heute dagegen selten; der breite Markt kommt erst. Willst du deine eigene Fahrleistung, deinen PV-Anteil und deinen Spread durchrechnen, findest du die Rechner im Mitgliederbereich.
Quelle & weiterführend: § 14a EnWG – gesetze-im-internet.de
Redaktionell verantwortlich: Axel Klett — seit 2008 in der Solarbranche, 2009–2018 Inhaber und Geschäftsführer der Kensys GmbH & Co. KG (rund 5.500 kWp selbst geplant und gebaut), heute Head of Inside Sales bei einem Hersteller von PV-Unterkonstruktionen. Mehr über Wattvoll und unsere Arbeitsweise →