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Leseprobe · Modul 2 von 26

Messen statt schätzen — deine Eigenverbrauchsquote

Ein vollständiges Kapitel aus dem Wattvoll Komplett-Paket — frei lesbar, damit du siehst, wie der Ratgeber arbeitet: Du ermittelst deine tatsächliche Eigenverbrauchsquote und dein Lastprofil.

Zwei Zahlen entscheiden, ob sich ein Speicher, eine Wallbox oder ein neuer Tarif für dich lohnt. Du musst sie nur einmal sauber ermitteln.

Die zwei Kennzahlen

Eigenverbrauchsquote = selbst verbrauchter PV-Strom ÷ erzeugter PV-Strom Autarkiegrad = selbst verbrauchter PV-Strom ÷ gesamter Stromverbrauch

Merksatz: Autarkie ist das Gefühl. Eigenverbrauch ist das Geld. Wer dir einen Speicher verkaufen will, redet gern über Autarkie — für deinen Geldbeutel zählt vor allem die Eigenverbrauchsquote.

Dein „Spread" — der Wert jeder selbst verbrauchten kWh

Für eine eingespeiste kWh bekommst du als typischer Bestandsbetreiber rund 7,70 ct1 (dein Satz steht im Einspeisevertrag). Eine abends zurückgekaufte kWh kostet 2026 im Mittel rund 37 ct3. Die Differenz — dein Spread — ist die Währung dieses Kurses.

⚠️ Wichtig: DEIN Satz entscheidet — fünf ganz verschiedene Fälle
Neuere Anlage (ab ~2013): Vergütung unter dem Strompreis → Eigenverbrauch lohnt, dieser Kurs ist für dich — es sei denn, du speist als Volleinspeiser alles ein: dann lies zuerst Fall ⑤.

Ü20-Anlage (Förderung ausgelaufen): nur noch ~3,8–4,8 ct Anschlussvergütung → dein Spread ist RIESIG (~33 ct) — für dich lohnt jeder Hebel hier doppelt. Dein Fahrplan: Modul 1a (Ü20-Track).

„Goldene Jahrgänge": 2006 bis erstes Halbjahr 2010 (rund 52 ct im Jahr 2006, fallend über 43,01 ct 2009 auf 39,14 ct im ersten Halbjahr 2010150 — den genauen Wert nennt dein Einspeisevertrag): Deine Vergütung liegt ÜBER dem Strompreis — für dich ist Eigenverbrauchs-Maximierung bis zum Förderende wirtschaftlich FALSCH. Ehrliche Empfehlung: einspeisen, diesen Kurs für später aufheben (und in Modul 1a schon mal planen, was du ab Ü20 umsetzt). Eine Ausnahme kann diese Empfehlung umdrehen — sie steht im Kasten direkt unter dieser Aufzählung.

Übergangsjahrgänge: ab Juli 2010 bis 2012: Hier kippt es zurück — deine Vergütung liegt UNTER dem Strompreis. Je nach Monat der Inbetriebnahme sind das 34,05 ct (ab 07/2010), 33,03 (ab 10/2010), 28,74 (2011), 24,43 (bis 03/2012) oder 19,50 ct (ab 04/2012)150 — dein Spread reicht damit von rund 3 ct bis gut 17 ct. Eigenverbrauch lohnt also, aber je nach Satz sehr unterschiedlich stark: Die kostenlosen Hebel (Lastverschiebung) nimm immer mit, große Investitionen rechnen sich bei nur 3–8 ct Spread meist noch nicht. Auch hier greift die Ausnahme aus dem Kasten unter dieser Aufzählung.

Volleinspeiser der Jahrgänge 2023–2026: Du hast dem Netzbetreiber die Volleinspeisung gemeldet und beziehst dafür den Volleinspeisungs-Zuschlag (§ 48 Abs. 2a EEG165) — deine Eigenverbrauchsquote ist heute per Definition 0 %, die Rechnung unten hat für dich also erst nach einem Wechsel etwas zu tun. Und der lohnt sich meist: Mit den aktuellen Neuanlagen-Sätzen (≤ 10 kWp: 12,22 ct Volleinspeisung, 7,70 ct Überschusseinspeisung2) gibst du beim Wechsel 4,52 ct Zuschlag auf jede erzeugte kWh auf und gewinnst 29,30 ct Spread auf jede selbst verbrauchte. Break-even in einer Zeile: 4,52 ÷ 29,30 ≈ 15 % Eigenverbrauchsquote — schon die ohne Speicher typischen 25–35 %7 liegen klar darüber. Beispiel: 7.000 kWh Jahresertrag, nach dem Wechsel 30 % Eigenverbrauch → 2.100 kWh × 29,30 ct ≈ +615 €, dagegen entgeht dir der Zuschlag auf die gesamte Erzeugung: 7.000 kWh × 4,52 ct ≈ −316 € — bleiben rund +300 €/Jahr. Dein eigenes Satz-Paar steht im Einspeisevertrag; an der Größenordnung der 15 % ändert dein Jahrgang nichts, weil Zuschlag und Vergütung seit Februar 2024 im Gleichschritt sinken (−1 % je Halbjahr)111. ⏰ Entscheidend ist die Frist: Der Wechsel wirkt immer zum 1. Januar — melde ihn dem Netzbetreiber in Textform vor dem 1. Dezember, praktisch bis zum 30.11. Wer den Stichtag verpasst, fährt ein volles Jahr im alten Modell weiter — das gilt genauso für den Weg zurück in die Volleinspeisung165. Wie die technische Umstellung abläuft (Messkonzept, Zähler, Marktstammdatenregister), zeigt dir Modul 1a, Option B — die Schritte sind dieselben wie bei der Ü20-Umrüstung.
⚠️ Die Ausnahme zu ③ und ④: Läuft bei dir noch die Eigenverbrauchsvergütung?
Für Anlagen bis 30 kW mit Inbetriebnahme zwischen 2009 und dem 31.03.2012 — also NICHT für die Jahrgänge 2006 bis 2008 — gab es zusätzlich eine Eigenverbrauchsvergütung (§ 33 Abs. 2 EEG a. F.): Geld auch für den Strom, den du selbst verbrauchst, nämlich deinen Einspeisesatz abzüglich 16,38 ct (bis 30 % Eigenverbrauchsanteil) bzw. abzüglich 12 ct darüber151. Läuft sie bei dir noch, dreht sie die Empfehlung um:

③ Bei 39,14 ct Einspeisung sind das 22,76 ct Vergütung PLUS rund 37 ct gesparter Einkauf — grob 60 ct je selbst verbrauchter Kilowattstunde gegen 39,14 ct fürs Einspeisen.

④ Bei 28,74 ct sind es 12,36 ct plus rund 37 ct — grob 20 ct statt der 8 ct oben. Dann rechnen sich auch größere Investitionen.

Ob du sie beziehst, steht in deinem Einspeisevertrag bzw. auf deiner Jahresabrechnung (sie setzt ein passendes Messkonzept voraus). Schau dort nach, bevor du dich auf ③ oder ④ verlässt.
⚡ Dein Spread steht seit deiner Inbetriebnahme fest. Ein Zwischenjahr zur Einordnung: Baujahr 2015 (12,31 ct) liegt bei gut 24 ct Spread — zwischen der Neuanlage (29 ct) und den Übergangsjahrgängen aus Fall ④. Trag im Ertrags-Check dein Baujahr ein, dann rechnet er mit deinem echten Spread statt mit dem optimistischen Neuanlagen-Wert. Achtung bei 2010 und 2012: Der Rechner kennt nur ganze Jahrgänge — lag deine Inbetriebnahme im zweiten Halbjahr, nimm den Satz aus Fall ④ von Hand.

Schritt für Schritt mit Jahreswerten

#WertQuelle
1Erzeugung (kWh/Jahr)Wechselrichter-App / Erzeugungszähler
2Einspeisung (kWh/Jahr)Abrechnung Netzbetreiber / Zähler (1-8-0 bzw. Einspeisezählwerk)
3Netzbezug (kWh/Jahr)Stromrechnung / Bezugszählwerk
Eigenverbrauch = Erzeugung − Einspeisung Gesamtverbrauch = Eigenverbrauch + Netzbezug Eigenverbrauchsquote = Eigenverbrauch ÷ Erzeugung Autarkiegrad = Eigenverbrauch ÷ Gesamtverbrauch

Beispielrechnung

Familie Berger, 8-kWp-Anlage, kein Speicher. Jahreswerte: Erzeugung 7.600 kWh, Einspeisung 5.700 kWh, Netzbezug 3.200 kWh.

Eigenverbrauch = 7.600 − 5.700 = 1.900 kWh Gesamtverbrauch = 1.900 + 3.200 = 5.100 kWh Eigenverbrauchsquote = 1.900 ÷ 7.600 = 25 % Autarkiegrad = 1.900 ÷ 5.100 = 37 % Spread (37 ct − 7,70 ct) ≈ 29 ct/kWh Aktueller Eigenverbrauchs-Vorteil = 1.900 kWh × 0,29 € ≈ 550 €/Jahr

Würde die Familie Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner in die Mittagszeit legen, hebt das ihren Eigenverbrauch allein durch Lastverschiebung um rund 463 kWh im Jahr: Die Quote stiege von 25 % auf rund 31 %, und mit dem ungerundeten Spread von 29,30 ct wären das rund 136 €/Jahr mehr — ohne einen Euro Investition. Wie sich die 463 kWh zusammensetzen, rechnet Modul 3 Gerät für Gerät vor.

Einordnung deiner Quote

KonstellationTypische Eigenverbrauchsquote
PV ohne Speicher25–35 %7
PV mit passend dimensioniertem Speicher50–70 %7
PV + Speicher + E-Auto-Überschuss60–90 %

Zwei ehrliche Anmerkungen: 100 % ist kein sinnvolles Ziel (die letzten Prozentpunkte sind unbezahlbar teuer), und eine niedrige Quote ist eine Chance — wer bei 20 % startet, hat die billigsten Hebel noch vor sich.

An dieser Stelle steht im Mitgliederbereich der interaktive Eigenverbrauchs-Rechner — mit deinen Zahlen, gespeichert im Anlagen-Steckbrief. In der Leseprobe rechnest du die zwei Formeln oben von Hand — das dauert keine fünf Minuten.
Deine Aufgabe: Sammle deine drei Jahreswerte, berechne Eigenverbrauchsquote, Autarkiegrad und deinen Spread in €/Jahr, und trage alles in den Steckbrief ein.
  • Unterschied Eigenverbrauchsquote vs. Autarkiegrad verstanden
  • Drei Jahreswerte ermittelt
  • Eigene Quote, Autarkie und Spread berechnet
  • Lastprofil (Erzeugungs- vs. Verbrauchsspitzen) angeschaut

So geht es im Komplett-Paket weiter: 26 Kapitel wie dieses, dazu die interaktiven Rechner, vier geführte Check-Strecken und der 90-Tage-Plan. Zum Komplett-Paket →

Redaktionell verantwortlich: Axel Klett — seit 2008 in der Solarbranche, 2009–2018 Inhaber und Geschäftsführer der Kensys GmbH & Co. KG (rund 5.500 kWp selbst geplant und gebaut), heute Head of Inside Sales bei einem Hersteller von PV-Unterkonstruktionen. Mehr über Wattvoll und unsere Arbeitsweise →

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