Dachausrichtung Photovoltaik: Ost-West oder Süd - was für den Eigenverbrauch zählt
Warum die klügere Wahl oft nicht die mit dem höchsten Gesamtertrag ist

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Wenn du eine Solaranlage planst, kommt früh eine Frage auf: Süd oder doch Ost-West? Die Dachausrichtung bei Photovoltaik entscheidet mit, wie viel Strom deine Module liefern - und vor allem, wie viel davon du selbst nutzt. Genau hier steckt der Denkfehler, den viele machen: Sie optimieren auf den höchsten Gesamtertrag, obwohl für den Geldbeutel etwas anderes zählt. Schauen wir uns das in Ruhe an.
Dachausrichtung bei Photovoltaik: Süd bringt den höchsten Ertrag
Die Physik ist eindeutig: Ein nach Süden geneigtes Dach fängt die Mittagssonne am steilsten ein. Das ergibt den höchsten Gesamtertrag über das Jahr, mit einer kräftigen Erzeugungsspitze rund um die Mittagszeit.
Zur Einordnung: In Deutschland liefert eine PV-Anlage grob 800 bis 1.200 kWh je kWp im Jahr, typisch sind 900 bis 1.000 kWh - je nach Region, Ausrichtung und Verschattung (Fraunhofer ISE). kWp steht dabei für Kilowatt-Peak, also die Nennleistung deiner Module.
Was heißt das für dich? Die Mittagsspitze klingt gut, hat aber einen Haken: Mittags bist du oft gar nicht zu Hause. Der meiste Strom entsteht genau dann, wenn dein Haushalt am wenigsten verbraucht. Was du nicht selbst nutzt, wird eingespeist - und bringt dir deutlich weniger als eine selbst genutzte Kilowattstunde.
Warum Ost-West besser zu deinem Alltag passt
Eine Ost-West-Belegung dreht die Module nach beiden Seiten. Der Gesamtertrag fällt dadurch etwas geringer aus als bei Süd. Dafür verteilt sich die Erzeugung breiter über den Tag: morgens liefert die Ostseite, abends die Westseite.
Das passt erstaunlich gut zu einem normalen Haushalt. Denn der verbraucht typischerweise in zwei Wellen - morgens beim Aufstehen und abends nach der Arbeit. Also genau dann, wenn eine Ost-West-Anlage Strom liefert.
Warum das bares Geld wert ist? Weil bei Photovoltaik der Eigenverbrauch zählt. Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart dir den vollen Strompreis - deutlich mehr, als du fürs Einspeisen bekommst. Ohne Speicher liegt die Eigenverbrauchsquote grob bei 25 bis 35 Prozent (HTW Berlin), mit Speicher bei 50 bis 70 Prozent. Ein breiteres Erzeugungsprofil hebt diesen Anteil - und damit deine Ersparnis.
Trimm deine Anlage nicht auf maximalen Ertrag, sondern auf einen hohen selbst genutzten Anteil. Ost-West ist trotz weniger Gesamt-kWh oft die klügere Wahl.
Wann Süd trotzdem sinnvoll ist - und was Überbau bringt
Pauschal gegen Süd zu raten, wäre unehrlich. Hast du ein reines Süddach, einen hohen Verbrauch tagsüber (etwa Homeoffice, Wärmepumpe oder ein E-Auto, das mittags lädt) oder willst du vor allem einen Speicher füllen, kann Süd die richtige Wahl bleiben. Und nicht jedes Dach lässt eine freie Wahl zu - Statik und vorhandene Dachfläche geben oft den Rahmen vor.
Zwei Punkte helfen bei der Entscheidung:
- Dachneigung: Rund 30 bis 35 Grad liegen für Süd nahe am Optimum. Ist dein Dach flacher geneigt, fällt der Nachteil einer Ost-West- oder abweichenden Ausrichtung milder aus - flache Dächer sind also entspannter bei der Richtung.
- Überbau: Seit dem 25.02.2025 ist der sogenannte Überbau ausdrücklich zulässig. Du darfst also mehr Modul-Leistung aufs Dach legen, als dein Wechselrichter oder deine Einspeisegrenze durchlässt. Für Ost-West ist das günstig, weil beide Seiten selten gleichzeitig Vollgas geben.
Bevor du dich festlegst, lohnt ein nüchterner Blick auf Zahlen statt Bauchgefühl. Im Mitgliederbereich kannst du mit dem Ertrags-Check deine kWh pro kWp prüfen und verschiedene Ausrichtungen durchspielen.
Fazit: Rechne mit deinem Verbrauch, nicht mit der Maximal-kWh
Die Dachausrichtung ist bei Photovoltaik keine Glaubensfrage, sondern eine Rechenfrage. Süd bringt den höchsten Gesamtertrag, Ost-West den passenderen Erzeugungsverlauf für deinen Alltag - und damit oft mehr Eigenverbrauch. Wer viel tagsüber verbraucht oder einen Speicher plant, fährt mit Süd gut. Wer morgens und abends den meisten Strom braucht, ist mit Ost-West meist besser dran. Entscheide nicht nach der größten kWh-Zahl, sondern danach, wie viel Strom du realistisch selbst nutzt.
Quelle & weiterführend: Fraunhofer ISE - Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland
Redaktionell verantwortlich: Axel Klett — seit 2008 in der Solarbranche, 2009–2018 Inhaber und Geschäftsführer der Kensys GmbH & Co. KG (rund 5.500 kWp selbst geplant und gebaut), heute Head of Inside Sales bei einem Hersteller von PV-Unterkonstruktionen. Mehr über Wattvoll und unsere Arbeitsweise →