PV-Ertrag prüfen: Liefert deine Anlage, was sie soll?
Monitoring ohne App-Gläubigkeit: mit einer Kennzahl, einer Erwartung für deinen Standort und dem Wetter des Monats.

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Die App deines Wechselrichters zeigt dir hübsche Kurven: Tagesertrag, Monatsbalken, vielleicht eine CO₂-Ersparnis in Bäumen. Nur die eine Frage beantwortet sie nicht: Ist das jetzt viel oder wenig? Eine Anlage kann ein halbes Jahr lang zehn Prozent unter ihren Möglichkeiten laufen, und die Kurven sehen trotzdem schön aus.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du den Ertrag deiner PV-Anlage prüfst, ohne Messgerät und ohne Servicetechniker: mit einer Kennzahl, einer Erwartung für deinen Standort und dem Wetter des jeweiligen Monats. Stand dieses Beitrags: 14. September 2026.
Die eine Zahl, auf die es ankommt: Kilowattstunden pro kWp
Absolute Erträge sind schwer zu vergleichen. 600 Kilowattstunden im Monat sind für eine 6-kWp-Anlage ein guter Wert, für eine 12-kWp-Anlage ein schlechter. Deshalb teilst du den Ertrag durch die installierte Leistung und bekommst den spezifischen Ertrag in Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak. Diese Zahl kannst du mit Erwartungswerten, mit dem Vorjahr und mit anderen Anlagen vergleichen.
Manche Portale weisen sie direkt aus. Das SMA Sunny Portal lässt sich in der Analyse zwischen absolutem und spezifischem Ertrag umschalten, laut Bedienungsanleitung vom Juli 2026. Die Schnittstelle von Huaweis FusionSolar führt ein eigenes Datenfeld für den spezifischen Ertrag. Wo dein Portal ihn nicht zeigt, rechnest du ihn selbst: Monatsertrag geteilt durch die Leistung aus deinem Anlagenpass oder dem Marktstammdatenregister. Das dauert eine Minute im Monat.
Was ein Monat bringen sollte
Für die Erwartung gibt es ein kostenloses Werkzeug der EU-Kommission: PVGIS. Du gibst Standort, Neigung und Ausrichtung ein und bekommst für jeden Monat einen Erwartungswert, berechnet aus Satellitendaten der Jahre 2005 bis 2023. Wir haben drei Standorte abgefragt, jeweils für Module mit 35 Grad Neigung nach Süden und den Standardwert von 14 Prozent Systemverlusten:
| Monat | Hamburg | Kassel | München |
|---|---|---|---|
| Januar | 27 | 32 | 50 |
| April | 120 | 119 | 120 |
| Juni | 127 | 126 | 127 |
| August | 112 | 116 | 124 |
| Oktober | 66 | 67 | 84 |
| Dezember | 23 | 26 | 47 |
| Jahr | 987 | 1.016 | 1.139 |
Alle Werte in Kilowattstunden pro kWp. Drei Dinge fallen auf. Erstens liefert der Dezember in Kassel nur rund 2,6 Prozent des Jahresertrags, der August rund 11 Prozent. Eine gesunde Anlage sieht im Dezember also aus wie eine kaputte, das ist normal. Zweitens holt der Süden vor allem im Winter auf, im Sommer liegen Hamburg und München fast gleichauf. Drittens hängt viel an der Ausrichtung: Ein Ost-West-Dach mit 35 Grad kommt in Kassel laut PVGIS auf rund 805 bis 808 Kilowattstunden pro kWp im Jahr, rund ein Fünftel weniger als die Südfläche. Das ist kein Mangel, sondern Physik. Mehr dazu im Beitrag zur Dachausrichtung.
Eine Einschränkung zu PVGIS: Ohne weitere Angabe rechnet das Werkzeug mit frei hinterlüfteten Modulen. Wählst du „gebäudeintegriert“, sinkt der Jahreswert für Kassel von 1.016 auf 981 Kilowattstunden pro kWp, weil wärmere Module schlechter arbeiten. Für den Monatsvergleich ist das zweitrangig, für die absolute Erwartung nicht.
Warum der Vergleich mit dem Vorjahr in die Irre führt
Der naheliegende Test ist der Blick aufs Vorjahr. Er ist auch der tückischste, denn kein Jahr hat dasselbe Wetter. Wir haben die Rasterdaten des Deutschen Wetterdienstes für 2025 und 2026 ausgewertet, Globalstrahlung im Bundesmittel in Kilowattstunden pro Quadratmeter:
- Februar: 2025 kamen 44, 2026 nur 37. Rund 16 Prozent weniger Sonne.
- Juli: 2025 kamen 152, 2026 dagegen 185. Rund 21 Prozent mehr Sonne.
- August: 2025 kamen 158, 2026 kamen 156. Praktisch gleich.
- Januar bis August 2026 zusammen: 1.009, das sind rund 13 Prozent mehr als im langjährigen Mittel 1991 bis 2020 mit 892.
Wer im Juli 2026 zwanzig Prozent mehr geerntet hat als im Juli 2025, hat also keine bessere Anlage, sondern besseres Wetter. Und wer im Februar sechzehn Prozent weniger hatte, hat keinen Defekt. Der ehrliche Vergleich ist deshalb ein Verhältnis: Hat sich dein Ertrag ungefähr so verändert wie die Einstrahlung? Wenn die Sonne gegenüber dem Vorjahresmonat um drei Prozent zugelegt hat und dein Ertrag um fünfzehn Prozent gefallen ist, stimmt etwas nicht. Die Monatssummen und Abweichungen für deine Region zeigt der DWD auf seinen Strahlungskarten. Wie groß die Unterschiede innerhalb Deutschlands sind, zeigt der August 2026: je nach Region zwischen 141 und 179 Kilowattstunden pro Quadratmeter.
Die Profi-Zahl: Performance Ratio
Profis rechnen noch einen Schritt weiter. Die Performance Ratio setzt den tatsächlichen Ertrag ins Verhältnis zu dem, was bei der gemessenen Einstrahlung auf die Modulfläche theoretisch möglich gewesen wäre. Übrig bleibt, was Wärme, Verschmutzung, Verschattung, Kabel und Wechselrichter wegnehmen. Eine heute installierte Anlage erreicht laut Fraunhofer ISE 80 bis 90 Prozent im Jahresmittel.
Für die meisten Hausbesitzer ist das trotzdem nicht die richtige Zahl. Sie braucht die Einstrahlung genau auf deiner Modulebene, also einen Sensor am Dach oder Satellitendaten, und die gibt es in den Portalen meist nur mit Zusatzgeräten. Außerdem schwankt eine Monats-Performance-Ratio schon im Normalbetrieb mit der Jahreszeit, weil heiße Module im Sommer schlechter arbeiten als kalte im Winter. Wer keinen Einstrahlungssensor hat, fährt mit dem spezifischen Ertrag und dem Wetterabgleich besser.
Wann du genauer hinschauen solltest
Eine amtliche Grenze, ab der eine Abweichung ein Fehler ist, gibt es nicht. Wir haben weder bei der Verbraucherzentrale noch in den Qualitätsstandards der HTW Berlin eine gefunden. Zur Einordnung: Nach PVGIS schwankt schon der Jahresertrag in Kassel von Jahr zu Jahr um rund sechs Prozent, allein durchs Wetter. Unsere Faustregel, ausdrücklich keine Norm: Liegt dein Ertrag über zwei, drei Monate mehr als zehn Prozent hinter dem zurück, was die Einstrahlung erwarten lässt, lohnt es sich, die Ursache zu suchen. In dieser Reihenfolge, denn die ersten Schritte kosten nichts:
- Nullertrag an sonnigen Tagen: Das ist fast immer der Wechselrichter oder eine ausgelöste Sicherung. Schau ins Fehlerprotokoll des Portals.
- Mehrere Wechselrichter oder Strings: Vergleiche ihren spezifischen Ertrag untereinander. Hängt einer deutlich hinterher, liegt das Problem dort und nicht am Wetter.
- Neue Schatten: Ein Baum, der in drei Jahren zwei Meter gewachsen ist, fällt im Alltag nicht auf, im Ertrag schon. Was Verschattung kostet, steht im Beitrag zur Verschattung.
- Verschmutzung: Bei normal geneigten Dächern wäscht der Regen meist genug. Wann Reinigen sich lohnt, haben wir im Beitrag zu Wartung und Reinigung aufgeschrieben.
- Erst dann der Fachbetrieb: Kennlinienmessung und Wärmebild sind sinnvoll, wenn die einfachen Ursachen ausgeschlossen sind, nicht davor.
Ist deine Anlage ganz neu, ist der erste Sommer der beste Moment für diesen Abgleich. Wer die Übergabe strukturiert prüfen will, findet die Punkte im Wattvoll Abnahme-Check.
Fazit
Ein gutes Monitoring braucht keine teure App, sondern drei Zahlen: deinen Monatsertrag, deine installierte Leistung und die Einstrahlung des Monats. Daraus wird der spezifische Ertrag, und den vergleichst du mit der PVGIS-Erwartung und der Wetterentwicklung, nicht blind mit dem Vorjahr. Einmal im Monat reicht. Wer so vorgeht, erkennt einen ausgefallenen String nach Wochen statt nach einem Jahr und lässt sich im Dezember nicht von einer gesunden Anlage erschrecken. Die Grundlagen zur Jahreszahl findest du im Beitrag zum kWh-pro-kWp-Check.
Quelle & weiterführend: Deutscher Wetterdienst, Rasterdaten Globalstrahlung (Monatssummen)
Redaktionell verantwortlich: Axel Klett — seit 2008 in der Solarbranche, 2009–2018 Inhaber und Geschäftsführer der Kensys GmbH & Co. KG (rund 5.500 kWp selbst geplant und gebaut), heute Head of Inside Sales bei einem Hersteller von PV-Unterkonstruktionen. Mehr über Wattvoll und unsere Arbeitsweise →