Brandgefahr Photovoltaik: Was die Zahlen sagen – und wo das Risiko wirklich sitzt
Das Risiko ist klein. Aber es sitzt fast nie dort, wo die meisten es vermuten.

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Die Frage kommt fast immer, wenn das Angebot auf dem Tisch liegt: Kann mir dieses Ding das Haus abfackeln? Ehrliche Antwort: Die Brandgefahr bei Photovoltaik ist klein — aber sie ist nicht null. Und sie sitzt fast nie dort, wo die meisten sie vermuten, nämlich im Modul.
Die belastbarste deutsche Zahl ist elf Jahre alt
Für Deutschland gibt es genau eine gründliche Erhebung. Der TÜV Rheinland und das Fraunhofer ISE haben ab 2011 knapp vier Jahre lang Brandfälle an Solaranlagen ausgewertet und 2015 einen Leitfaden dazu veröffentlicht. Ergebnis: rund 210 Fälle, in denen eine Photovoltaikanlage einen Brand verursacht hat. In etwa 130 davon blieb der Schaden auf die Anlage begrenzt, in rund 80 Fällen war das Gebäude betroffen. Zum Vergleich standen damals über 1,5 Millionen Anlagen in Betrieb.
Als häufigste Ursache nennen die Prüfer Installationsfehler, gefolgt von Produkt- und Planungsmängeln. Und sie haben eine Warnung mitgegeben, die heute mehr wiegt als 2015: Mit zunehmender Alterung der Materialien werden Isolationsfehler, Kontaktprobleme und Übergangswiderstände zunehmen.
Der ehrliche Teil: Seitdem hat niemand diese Erhebung wiederholt, obwohl sich der Anlagenbestand seither vervielfacht hat. Wer dir heute eine aktuelle deutsche Brandquote nennt, rechnet sie sich zusammen.
Was die frischen britischen Zahlen zeigen
Deshalb lohnt der Blick nach Großbritannien. Der Industrieversicherer QBE hat dort per Informationsfreiheitsanfrage bei den Feuerwehren nachgefragt und die Auswertung am 10. August 2026 veröffentlicht:
- 2025 rückten die Feuerwehren zu 212 Bränden mit Beteiligung von Solaranlagen aus — 2022 waren es 91. Das sind 133 Prozent mehr.
- Der Anlagenbestand wuchs im selben Zeitraum von rund 1,27 auf 1,93 Millionen, also um 52 Prozent.
- Brände, die über die Anlage hinaus auf das Gebäude übergriffen, stiegen von 33 auf 88.
Rechnerisch brannte damit 2025 etwa eine von 9.100 Anlagen — nach wie vor selten. Der beunruhigende Teil ist nicht die Höhe, sondern die Steigung: Die Brände wachsen mehr als doppelt so schnell wie der Bestand. Das deutet nicht auf ein Technikproblem hin, sondern auf ein Qualitätsproblem beim Einbau.
Genau dahin zeigt auch die Ursachenaufstellung für 2025: DC-Verkabelung und Steckverbinder verursachten 49 Brände (2024 waren es 26). Das Modul selbst kam auf 36 Fälle, Batteriespeicher auf 23, der Wechselrichter auf 19. Britische Daten lassen sich nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen — anderer Bestand, andere Handwerksstruktur. Die Physik auf der Gleichstromseite ist aber dieselbe.
Warum ausgerechnet die DC-Seite
Zwischen Modul und Wechselrichter fließt Gleichstrom. Ein Lichtbogen im Wechselstromnetz erlischt hundertmal pro Sekunde von selbst, weil die Spannung durch null geht. Im Gleichstromkreis passiert das nicht — ein einmal gezündeter Lichtbogen brennt weiter, solange die Sonne scheint. Dafür braucht es keinen Defekt, ein schlechter Kontakt genügt.
Ein Klassiker ist der sogenannte Kreuzverbau: Steckverbinder verschiedener Hersteller werden zusammengesteckt, weil sie mechanisch passen. Der TÜV Rheinland hat dazu klargestellt, dass die üblichen Prüfberichte nach EN 50521 nur Teilprüfungen sind und keine Kompatibilität zwischen Steckern verschiedener Hersteller belegen. Hersteller wie Stäubli schließen für solche Paarungen die Gewährleistung aus. Unterschiedliche Materialien und Fertigungstoleranzen führen mit den Jahren zu Kontaktkorrosion, steigendem Übergangswiderstand — und damit zu Wärme an einer Stelle, an der niemand hinschaut.
Was heißt das für dich?
Bei einer neuen Anlage ist der Montagetag der Tag, an dem sich sicher und riskant entscheidet. Lass dir im Angebot und im Abnahmeprotokoll bestätigen, dass alle DC-Steckverbinder vom selben Hersteller und Typ sind und mit dem passenden Werkzeug gecrimpt wurden. Das kostet nichts und ist der wirksamste Satz im ganzen Vertrag.
Bei einer Bestandsanlage über zehn Jahre gilt die Alterungswarnung aus dem Leitfaden. Wenn ohnehin jemand aufs Dach steigt, lass gezielt die Steckverbinder, die Kabelführung und den Anschlussraum des Wechselrichters ansehen — das gehört in eine sinnvolle Wartung hinein, anders als das ewig angebotene Modulputzen. Besonders relevant ist das für Anlagen aus dem Boom um 2010 bis 2012, die jetzt in genau dieses Alter kommen.
Warnzeichen, die du selbst bemerken kannst: ein einzelner String, der ohne Verschattungsgrund weniger liefert, verfärbte oder verbräunte Steckverbinder, Schmorgeruch am Wechselrichter, wiederholtes Auslösen einer Sicherung.
Und beim Wechselrichtertausch nach Lichtbogenerkennung fragen: Viele aktuelle Geräte bringen eine Abschaltung bei Störlichtbögen mit. Schon der Leitfaden von 2015 hat Lichtbogendetektoren als eine der wirksamen Maßnahmen genannt.
Panik ist bei diesen Zahlen nicht angebracht. Sorgfalt schon — und zwar an der unscheinbarsten Stelle der ganzen Anlage.
Wie du eine Wartung sinnvoll beauftragst und woran du einen guten Betrieb erkennst, findest du ausführlich in den Modulen im Mitgliederbereich.
Quelle & weiterführend: QBE — Auswertung britischer Feuerwehrdaten zu Solarbränden (10.08.2026)
Redaktionell verantwortlich: Axel Klett — seit 2008 in der Solarbranche, 2009–2018 Inhaber und Geschäftsführer der Kensys GmbH & Co. KG (rund 5.500 kWp selbst geplant und gebaut), heute Head of Inside Sales bei einem Hersteller von PV-Unterkonstruktionen. Mehr über Wattvoll und unsere Arbeitsweise →