Heimspeicher-Wirkungsgrad: Warum 4 Watt Standby mehr kosten als 98 Prozent
Die Stromspeicher-Inspektion 2026 der HTW Berlin misst 200 Euro Unterschied im Jahr — der größte Teil davon entsteht im Leerlauf.

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Wenn du gerade Angebote für einen Heimspeicher vergleichst, stolperst du über eine Zahl, die auf jedem Datenblatt steht: den Wirkungsgrad. 97 Prozent, 98 Prozent, bei den neuesten Geräten 98,47 Prozent. Das klingt nach einer Disziplin, in der alle ungefähr gleich gut sind — und nach einem Detail, über das man nicht lange nachdenken muss.
Die Stromspeicher-Inspektion 2026 der HTW Berlin sagt etwas anderes. Zwischen dem effizientesten und dem schwächsten der zwölf vermessenen Systeme liegen 200 Euro im Jahr. Und der größte Teil dieses Abstands entsteht nicht beim Laden und Entladen, sondern in den Stunden, in denen der Speicher gar nichts tut. Stand dieses Beitrags: September 2026.
Was der SPI misst — und warum ein einzelner Wirkungsgrad nicht reicht
Die HTW Berlin bewertet Heimspeicher seit Jahren mit dem System Performance Index, kurz SPI. Für die Ausgabe 2026 hat sie zwölf Speichersysteme mit Batterien und Wechselrichtern von zehn Herstellern verglichen, erstmals gemeinsam mit der HTW-Ausgründung aquu, in den Leistungsklassen 5 und 10 Kilowatt.
Der Unterschied zum Datenblatt-Wirkungsgrad ist der entscheidende Punkt. Ein Wirkungsgrad beschreibt einen Teilschritt unter Bedingungen, die der Hersteller aussuchen darf — etwa die Ladung bei genau der Leistung, bei der das Gerät am besten dasteht. Der SPI dagegen fasst zusammen, was über ein Jahr im echten Haushalt zusammenkommt: Umwandlungsverluste im Wechselrichter, Batteriewirkungsgrad, wie genau und wie schnell das System auf Lastwechsel reagiert — und den Verbrauch im Bereitschaftsbetrieb.
Genau deshalb ist der SPI die Zahl, nach der du fragen solltest. Ein Gerät kann auf dem Papier hervorragend aussehen und im Jahresergebnis trotzdem hinten liegen.
Der Bereitschaftsverbrauch ist der teuerste Posten
Die auffälligste Zahl der Untersuchung steht nicht bei den Wirkungsgraden. Die hocheffizienten Systeme von SAX Power und Fox ESS ziehen im Bereitschaftsbetrieb 4 Watt. Beim schwächsten Teilnehmer des Vergleichs sind es 64 Watt.
Rechne das hoch: 64 Watt, durchgehend über ein Jahr, sind rund 560 Kilowattstunden. Der Bereitschaftsverbrauch fällt vor allem nachts an, wenn keine Sonne da ist — du kaufst diesen Strom also zum Netzpreis. Bei 35 bis 40 Cent je Kilowattstunde landest du bei etwa 195 bis 225 Euro im Jahr. Die HTW beziffert den Kostenvorteil des Testsiegers gegenüber dem schwächsten Gerät auf 200 Euro im Jahr — die Größenordnung passt also fast vollständig zum Standby allein.
Ehrliche Einordnung: 4 Watt sind ein Idealwert, den nicht jedes gute Gerät erreicht, und niemand zieht durchgehend exakt seinen Datenblattwert. Aber die Richtung stimmt, und sie ist unbequem: Ein Speicher, der 60 Watt im Leerlauf zieht, verbrennt über zwanzig Jahre einen vierstelligen Betrag, ohne dass du je etwas davon merkst.
Was die Messwerte 2026 zeigen
In der 10-Kilowatt-Klasse geht der Hybridwechselrichter PQ-H3-Ultra-10.0 in Kombination mit der Batterie EQ3300-5 von Fox ESS als effizientestes System hervor: SPI 97 Prozent, laut HTW ein neuer Rekord. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Power Storage DC 10.0 von RCT Power und Centurio 10 von Energy Depot. Bei den AC-gekoppelten Geräten derselben Klasse ist der Kostal PLENTICORE G3 M 10 mit der BYD Battery-Box Premium HVS 12.8 Testsieger. In der 5-Kilowatt-Klasse setzt sich AC-seitig der SAX Power Home Plus durch, bei den Hybridgeräten der SMA Sunny Boy Smart Energy 5.0 mit der Home Storage 6.5.
Interessanter als die Sieger ist die Spannweite. Das Schlusslicht kommt auf einen SPI von 89,3 Prozent und landet in Effizienzklasse G — seine Verluste fallen um den Faktor 3,5 höher aus als beim Testsieger. Beim reinen Batteriewirkungsgrad liegt die EQ3300-5 mit 97,1 Prozent mehr als 9 Prozentpunkte vor dem letzten Platz. Und bei der Einschwingzeit, also der Reaktion auf einen Lastwechsel, liegen mehr als 13 Sekunden zwischen den Geräten; Energy Depot und RCT Power gleichen Schwankungen in 0,2 Sekunden aus.
Am 4. September 2026 hat Fox ESS gemeldet, seine Heimspeicher auf Siliziumkarbid-Halbleiter von Infineon umzustellen, und nennt dafür 98,47 Prozent beim Laden und Entladen sowie 98,78 Prozent für den Wechselrichter. Das sind Herstellerangaben. Unabhängig gemessen ist der SPI von 97 Prozent — und der stammt aus derselben Gerätefamilie. Wenn du Angebote vergleichst, ist das der Unterschied, auf den es ankommt: Wer misst, und unter welchen Bedingungen.
Effizienz ist nicht alles: der Blick in die Garantiebedingungen
Die HTW Berlin und aquu haben 2026 erstmals die Garantiebedingungen von 20 namhaften Herstellern ausgewertet. Der wichtigste Wert daraus: Die Hersteller garantieren, dass die Batteriekapazität innerhalb der Garantiezeit nicht unter 60 bis 85 Prozent des Anfangswerts sinkt. Diese Spanne ist erheblich — bei 10 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität ist das der Unterschied zwischen 6 und 8,5 Kilowattstunden am Ende der Garantiezeit.
Nico Orth, Leiter der Stromspeicher-Inspektion an der HTW Berlin, formuliert es so: „Ein Blick in die Garantiebedingungen vor dem Speicherkauf kann unangenehme Überraschungen im Schadensfall vermeiden. Vorteilhafte Garantiebedingungen lassen sich unter anderem daran erkennen, dass der Hersteller keine umfassenden Nachweispflichten fordert und im Schadensfall die Kosten für den Austausch übernimmt."
Der zweite Halbsatz ist der teure. Eine Garantie, die dir das Ersatzgerät schickt, aber den Monteur nicht bezahlt, ist eine halbe Garantie. Was passiert, wenn der Hersteller die Garantiezeit gar nicht erlebt, haben wir separat aufgeschrieben: Speicher-Hersteller insolvent — was aus deiner Garantie wird.
Was du beim Angebot fragen solltest
- Bereitschaftsverbrauch in Watt. Die eine Zahl, die im Verkaufsgespräch fast nie fällt. Steht sie nicht im Datenblatt, frag schriftlich nach.
- SPI oder Effizienzklasse. Ist das System in der Stromspeicher-Inspektion vermessen worden, und mit welchem Ergebnis? Klasse A bis C ist in Ordnung, G ist es nicht.
- Garantierte Restkapazität in Prozent — und über wie viele Jahre oder Vollzyklen.
- Wer zahlt den Austausch im Garantiefall, und welche Nachweise verlangt der Hersteller von dir.
- AC oder DC — die Antwort hängt an deiner bestehenden Anlage, nicht am Geschmack. Dazu: Speicher nachrüsten: AC- oder DC-gekoppelt.
Und die unbequeme Gegenprobe: Effizienz rechtfertigt keinen beliebigen Aufpreis. Zwischen zwei Geräten der Effizienzklasse A ist der Jahresabstand klein — teuer wird es erst gegenüber den Schlusslichtern. Wer dir 1.500 Euro Aufpreis für zwei Zehntel Prozentpunkte Wirkungsgrad verkauft, verkauft dir nichts. Ob sich der Speicher überhaupt rechnet, entscheidet weiterhin der Preis je Kilowattstunde und dein Spread: Lohnt sich ein Stromspeicher 2026, und die Grundzahl dazu liefert dir der kostenlose Spread-Rechner.
Aus der Praxis — Axel Klett: „Ich habe noch kein Angebot gesehen, in dem der Bereitschaftsverbrauch stand. Wirkungsgrad ja, Zyklen ja, Standby nie. Dabei ist das die einzige Zahl im Datenblatt, die dich jede einzelne Nacht Geld kostet, auch im Dezember, wenn der Speicher seit Wochen nichts zu tun hat. Ich frage danach immer schriftlich — wer sie nicht liefert, hat meistens einen Grund."
Fazit
Der Wirkungsgrad auf dem Datenblatt ist die Zahl, mit der geworben wird. Die Zahl, die dich Geld kostet, ist der Bereitschaftsverbrauch — 4 gegen 64 Watt, und damit der Löwenanteil der 200 Euro, die die HTW Berlin 2026 zwischen bestem und schwächstem System gemessen hat. Frag im Angebot nach beidem, dazu nach der garantierten Restkapazität und danach, wer im Schadensfall den Austausch bezahlt. Das sind vier Fragen, die dich zehn Minuten kosten und über die Laufzeit vierstellig entscheiden können. Wenn du vor dem ersten Anlagenkauf stehst und die komplette Prüfliste willst, findest du sie im Kauf-Check.
Quelle & weiterführend: HTW Berlin — Stromspeicher-Inspektion 2026
Redaktionell verantwortlich: Axel Klett — seit 2008 in der Solarbranche, 2009–2018 Inhaber und Geschäftsführer der Kensys GmbH & Co. KG (rund 5.500 kWp selbst geplant und gebaut), heute Head of Inside Sales bei einem Hersteller von PV-Unterkonstruktionen. Mehr über Wattvoll und unsere Arbeitsweise →