PV-Speicher mit Netzstrom laden: Was die MiSpeL-Festlegung jetzt ändert
Die Bundesnetzagentur hat die Festlegung am 1. Oktober 2026 beschlossen — nutzbar ist sie bis Ende September 2027 aber nur, wenn Netz- und Messstellenbetreiber mitmachen.

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Seit dynamische Stromtarife verbreitet sind, kommt eine Frage immer wieder: Darf ich meinen PV-Speicher mit Netzstrom laden — nachts billig einkaufen, tagsüber den Sonnenstrom trotzdem einspeisen? Jahrelang lautete die Antwort: nicht ohne dass deine Einspeisevergütung kippt. Am 1. Oktober 2026 hat die Bundesnetzagentur die MiSpeL-Festlegung beschlossen (Az. 618-25-02) — Tenor mit Begründung plus zwei Anlagen, eine je Option. Der Rahmen steht damit. Nutzen kannst du ihn aber erst, wenn zwei weitere Dinge zusammenkommen; beide stehen weiter unten.
Keine Rechtsberatung. Dieser Beitrag ordnet die Rechtslage allgemein ein, wie sie am 6. Oktober 2026 im Gesetz und in den Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur stand. Er ist eine allgemeine Information und keine Beratung im Einzelfall.
Ob und wann du eine der beiden MiSpeL-Optionen tatsächlich nutzen kannst, entscheiden dein Netzbetreiber und dein Messstellenbetreiber — frag im Zweifel dort schriftlich nach, bevor du einen Speicher auf Netzladen umstellst oder einen Vertrag unterschreibst.
Warum Netzstrom im Speicher die Vergütung gefährdet
Der Grund steht im Gesetz und heißt Ausschließlichkeitsoption. Nach § 19 Absatz 3a EEG besteht der Vergütungsanspruch für zwischengespeicherten Strom nur, wenn im Speicher ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien oder Grubengas verbraucht wird. Kommt Netzstrom dazu — im Fachjargon Graustrom — fehlt ohne saubere Abgrenzung die Grundlage für die Förderung der eingespeisten Menge.
Wichtig ist die Unterscheidung: Verboten ist das Netzladen nicht. Es kollidiert mit dem Förderanspruch. Wer eine Anlage ohne EEG-Vergütung betreibt, hat dieses Problem nicht. Für alle anderen ist es der Grund, warum viele Hersteller die Netzladefunktion ab Werk gesperrt lassen oder im Datenblatt ausdrücklich auf die EEG-Folgen hinweisen.
Was MiSpeL ändert: zwei Wege
Das Stromspitzengesetz hat zwei neue Optionen ins EEG geschrieben, die den Mischbetrieb möglich machen. Die Bundesnetzagentur musste sie konkretisieren — genau das ist MiSpeL, die Festlegung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten:
- Abgrenzungsoption (§ 19 Abs. 3b EEG): Die Strommengen werden viertelstündlich erfasst, eine Rechenformel bestimmt daraus den förderfähigen Anteil. Offen für alle Anlagengrößen, dafür messtechnisch aufwendig — nach Darstellung der Bundesnetzagentur sind dafür in der Regel zwei Zähler nötig.
- Pauschaloption (§ 19 Abs. 3c EEG): Der einfache Weg für Solaranlagen bis 30 Kilowatt installierter Leistung. Statt detaillierter Messung gilt eine pauschale Zuordnung der Strommengen, ein Zähler genügt — dafür ist der Förderanspruch gedeckelt.
Neu ist außerdem, dass die Festlegung auch Ladepunkte einbezieht: bidirektionale Ladepunkte werden Stromspeichern so weit wie möglich gleichgestellt. Die Kombination aus PV-Anlage, Speicher und Wallbox wird damit erstmals sauber abrechenbar.
Die 500-Kilowattstunden-Grenze — rechne sie einmal durch
Der Deckel der Pauschaloption steht im Gesetz: Der Anspruch besteht dann nur für eine Strommenge von bis zu 500 Kilowattstunden pro Kalenderjahr je Kilowatt installierter Leistung der Solaranlagen (§ 19 Abs. 3c EEG). Bei 10 kWp sind das 5.000 Kilowattstunden vergütete Strommenge im Jahr, bei 15 kWp entsprechend 7.500.
Ob dich das trifft, sagt dir keine Faustformel, sondern deine letzte Abrechnung vom Netzbetreiber: Schau nach, wie viele Kilowattstunden du im vergangenen Jahr tatsächlich eingespeist hast, und vergleiche sie mit deiner installierten Leistung mal 500. Liegst du klar darunter, kostet dich die Pauschaloption nichts. Liegst du darüber — typisch bei großem Dach und kleinem Verbrauch — ist die aufwendigere Abgrenzungsoption die ehrlichere Wahl.
Was jetzt gilt — und worauf es noch wartet
Beschlossen ist nicht dasselbe wie nutzbar. Die Bundesnetzagentur hat eine Übergangszeit bis Ende September 2027 eingezogen, in der Netzbetreiber und Messstellenbetreiber ihre Prozesse, IT-Systeme und Vertragsmodelle umstellen. Innerhalb dieser Zeit ist die Anwendung der beiden MiSpeL-Optionen nur im Einverständnis mit deinem Netzbetreiber und deinem Messstellenbetreiber möglich — mitmachen dürfen sie früher, müssen aber nicht.
Für die Pauschaloption kommt ein zweiter Vorbehalt dazu: Sie ist erst anwendbar, wenn die Europäische Kommission die gesetzliche Grundlage beihilferechtlich genehmigt hat. Eine solche Genehmigung lag am 6. Oktober 2026 nicht vor. Wer bis 30 kWp also auf den einfachen Weg mit einem Zähler hofft, wartet derzeit auf Brüssel — offen bleibt nur die aufwendigere Abgrenzungsoption.
Rechtlicher Anker ist § 100 Absatz 34 Satz 1 EEG: § 19 Absatz 3b und 3c sind anzuwenden, wenn und soweit die konkretisierenden Festlegungen der Bundesnetzagentur nach § 85d wirksam werden. Zur Vorgeschichte: Die Konsultation endete am 24. Oktober 2025, die gesetzliche Frist für die erstmalige Festlegung (§ 85d Satz 2 EEG: Ablauf des 30. Juni 2026) hat die Behörde um drei Monate überzogen.
Und die ehrliche Einordnung: Das ist kein Grund, jetzt einen Speicher zu kaufen. Ein Heimspeicher rechnet sich nach wie vor über deinen eigenen Sonnenstrom — wie diese Rechnung aussieht, steht in unserem Beitrag Lohnt sich ein Stromspeicher 2026. Das Netzladen zu günstigen Stunden ist ein zusätzlicher Hebel obendrauf, kein eigenes Geschäftsmodell, und er setzt einen dynamischen Stromtarif samt intelligentem Messsystem voraus. Weil hier Vergütungsansprüche an Fristen und Zuständigkeiten hängen, gilt der Hinweis von oben weiter: allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall.
Drei Dinge kannst du jetzt klären: ob dein Speicher das Laden aus dem Netz überhaupt freigibt, ob dein Messstellenbetreiber viertelstündliche Werte liefert, und ob dein Netzbetreiber MiSpeL bereits unterstützt. Das entscheidet, welche der zwei Optionen dir offensteht. Die laufend aktualisierte Fassung dieser Regel findest du im Normenkatalog im Mitgliederbereich.
Quelle & weiterführend: Bundesnetzagentur — Festlegungsverfahren MiSpeL
Redaktionell verantwortlich: Axel Klett — seit 2008 in der Solarbranche, 2009–2018 Inhaber und Geschäftsführer der Kensys GmbH & Co. KG (rund 5.500 kWp selbst geplant und gebaut), heute Head of Inside Sales bei einem Hersteller von PV-Unterkonstruktionen. Mehr über Wattvoll und unsere Arbeitsweise →