Wärmepumpe statt Gas: Ab welcher Jahresarbeitszahl du sparst
E.ON rechnet mit drei Milliarden Euro Ersparnis. Entscheidend ist eine Zahl, die in der Mitteilung nicht steht.

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E.ON hat eine Zahl in die Welt gesetzt, die sich gut weitererzählt: Würden alle gasbeheizten Einfamilienhäuser in Deutschland auf eine Wärmepumpe umsteigen, sparten sie in dieser Heizperiode zusammen rund drei Milliarden Euro. Die Rechnung ist nachvollziehbar, E.ON legt die Annahmen offen — und genau dort steckt der Punkt, der für deine Entscheidung zählt. Denn die drei Milliarden hängen an einem Strompreis, den du erst bekommst, wenn du ihn dir holst.
Dieser Beitrag vergleicht nur die laufenden Kosten fürs Heizen. Anschaffung, Einbau und Förderung bleiben außen vor; das ist eine eigene Rechnung und entscheidet am Ende mit.
Was E.ON gerechnet hat
Die Grundlage sind laut E.ON rund 5,9 Millionen eigentümerbewohnte Einfamilienhäuser mit Gasheizung — 51,7 Prozent von etwa 11,38 Millionen, abgeleitet aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des Bundeswirtschaftsministeriums. Angesetzt werden 18.000 Kilowattstunden Wärmebedarf im Jahr, davon 85 Prozent in der Heizperiode vom 1. Oktober bis 30. April, also 15.300 Kilowattstunden.
Bei durchschnittlichen Temperaturen kommt E.ON auf rund drei Milliarden Euro Ersparnis, bei einem milden Winter auf knapp 2,8 Milliarden, bei einem harten auf fast 3,3 Milliarden. Teilt man die drei Milliarden auf die 5,9 Millionen Häuser auf, bleiben rund 508 Euro je Haus und Heizperiode. Das ist keine kleine Summe, aber es ist auch nicht die Halbierung der Heizkosten, die manche Überschrift verspricht.
Entscheidend sind die beiden Preise. Für Gas setzt E.ON rund 12 Cent je Kilowattstunde an und verweist auf die Durchschnittswerte des BDEW — das deckt sich: Die BDEW-Gaspreisanalyse August 2026 nennt für Haushalte in Einfamilienhäusern 11,93 Cent je Kilowattstunde im Jahresdurchschnitt 2026. Für Wärmepumpenstrom gibt es keinen BDEW-Durchschnitt; E.ON nimmt deshalb rund 25 Cent Arbeitspreis plus etwa 145 Euro Grundpreis im Jahr, gebildet aus Neukundenpreisen der drei größten Anbieter ohne Boni und den Grundversorgern in Essen und München, Stand Ende September 2026.
Die Zahl, die in der Mitteilung fehlt
Was E.ON nicht nennt, ist die Jahresarbeitszahl. Sie sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme deine Wärmepumpe über ein Jahr aus einer Kilowattstunde Strom macht — Herstellerprospekte nennen oft den COP aus dem Prüfstand, die Jahresarbeitszahl ist der ehrlichere Wert, weil sie den ganzen Winter mit Frosttagen und Warmwasser einschließt.
Rechnet man E.ONs Angaben zurück, steckt in den 508 Euro eine Jahresarbeitszahl von etwa 3,2: 15.300 Kilowattstunden Gas zu 12 Cent sind 1.836 Euro; damit 508 Euro übrig bleiben, darf die Wärmepumpe 1.328 Euro kosten, davon 145 Euro Grundpreis — die restlichen 1.183 Euro reichen bei 25 Cent für rund 4.730 Kilowattstunden Strom.
Interessanter ist die Schwelle, ab der sich der Umstieg überhaupt rechnet. Mit E.ONs Tarif liegt sie bei einer Jahresarbeitszahl von 2,3 — darunter zahlst du mehr als mit Gas, darüber weniger. Diese Hürde reißt eine ordentlich eingestellte Luft-Wärmepumpe im Normalfall. Mit diesem Strompreis ist der Umstieg also keine Wette.
Mit normalem Haushaltsstrom kippt die Rechnung
Nun der Teil, den die Pressemitteilung nicht betont. Wer keinen eigenen Wärmepumpentarif abschließt, sondern die Wärmepumpe über den Haushaltsstrom mitlaufen lässt, rechnet mit einem anderen Preis: Die BDEW-Strompreisanalyse Herbst 2026 nennt für Haushalte 37,0 Cent je Kilowattstunde im Jahresdurchschnitt 2026. Dann verschiebt sich die Schwelle auf eine Jahresarbeitszahl von 3,1 — und das ist genau der Bereich, in dem viele Bestandsanlagen tatsächlich landen.
Die Heizperiode mit 15.300 Kilowattstunden Wärmebedarf, gerechnet mit den BDEW-Preisen für 2026:
| Jahresarbeitszahl | Wärmepumpentarif (25 ct + 145 €) | Haushaltsstrom (37,0 ct) | Gas (11,93 ct) |
|---|---|---|---|
| 2,5 | 1.675 € | 2.264 € | 1.825 € |
| 3,0 | 1.420 € | 1.887 € | 1.825 € |
| 3,5 | 1.238 € | 1.617 € | 1.825 € |
Bei einer Jahresarbeitszahl von 3,0 spart die Wärmepumpe mit eigenem Tarif rund 405 Euro — über den Haushaltsstrom betrieben kostet sie dagegen etwa 62 Euro mehr als die Gasheizung. Dieselbe Anlage, dasselbe Haus, derselbe Winter. Nur ein anderer Stromvertrag.
Eine faire Einschränkung: Wir behandeln die 15.300 Kilowattstunden hier wie den Gaszählerstand und stellen ihnen die Wärme gegenüber, die die Wärmepumpe liefert. Ein Brennwertkessel macht aus 15.300 Kilowattstunden Gas aber keine 15.300 Kilowattstunden Wärme — ein Teil geht als Abgas- und Bereitschaftsverlust verloren. Die Schwellen oben sind deshalb eher zu hoch angesetzt als zu niedrig; die Wärmepumpe steht real einen Tick besser da.
Was das für deine Entscheidung heißt
Der Hebel ist nicht das Gerät, sondern der Stromvertrag. Drei Dinge, die vor dem Angebot geklärt sein sollten:
- Gibt es bei dir einen Wärmepumpentarif — und zu welchem Preis? Die Angebote unterscheiden sich regional erheblich, und der Grundpreis kommt obendrauf. Bei kleinem Wärmebedarf frisst ein hoher Grundpreis den Vorteil des günstigen Arbeitspreises auf.
- Was verlangt die Messstelle? Ein reduziertes Netzentgelt nach § 14a EnWG setzt eine steuerbare Einrichtung voraus, und je nach Variante braucht es einen separaten Zählpunkt. Das ist Aufwand, der ins Angebot gehört.
- Welche Vorlauftemperatur braucht dein Haus wirklich? Sie entscheidet über die Jahresarbeitszahl mehr als das Fabrikat. Große Heizflächen und ein hydraulischer Abgleich sind kein Zubehör, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Zahlen oben eintreten.
Wenn du eine PV-Anlage hast oder planst, verschiebt sich die Rechnung noch einmal — jede selbst erzeugte Kilowattstunde ersetzt Netzstrom zum vollen Preis. Im Winter ist dieser Anteil allerdings klein; wie klein, haben wir in Photovoltaik im Winter aufgeschrieben. Mit unserem Wärmerechner kannst du die Schwelle mit deinen eigenen Zahlen prüfen, statt mit Durchschnitten zu arbeiten.
Aus der Praxis — Axel Klett: Zitat-Gerüst zur Bestätigung: „Wenn mich jemand fragt, ob sich die Wärmepumpe rechnet, frage ich zuerst nach dem Stromvertrag und nach der Vorlauftemperatur. Nach dem Fabrikat frage ich zuletzt."
Fazit
E.ONs drei Milliarden sind keine Werbezahl, sie sind eine saubere Modellrechnung mit offengelegten Annahmen. Nur gilt sie für Haushalte mit einem Wärmepumpentarif um 25 Cent und einer Anlage, die eine Jahresarbeitszahl um 3,2 schafft. Dann sind rund 508 Euro je Heizperiode realistisch. Ohne eigenen Tarif liegt die Schwelle bei 3,1 statt bei 2,3 — und der Umstieg wird vom klaren Sparfall zur Zitterpartie. Ehrliche Antwort: Die Wärmepumpe lohnt sich bei den Betriebskosten fast immer, aber nicht von sich aus. Sie lohnt sich, wenn du den passenden Stromvertrag und eine niedrige Vorlauftemperatur dazu organisierst.
Und weil die andere Seite der Rechnung nicht stillsteht: Für fossiles Heizen kommen ab 2028 zusätzliche Kosten in Sicht — was dabei bisher belegt ist und was nicht, steht in Grüngasquote: Was dein Gas-Heizen ab 2028 kostet. Wer den Tausch ohnehin plant, sollte zusätzlich den Förderstand im Blick haben, der sich 2027 ändert: Wärmepumpen-Förderung 2027.
Quelle & weiterführend: BDEW — Gaspreisanalyse August 2026
Redaktionell verantwortlich: Axel Klett — seit 2008 in der Solarbranche, 2009–2018 Inhaber und Geschäftsführer der Kensys GmbH & Co. KG (rund 5.500 kWp selbst geplant und gebaut), heute Head of Inside Sales bei einem Hersteller von PV-Unterkonstruktionen. Mehr über Wattvoll und unsere Arbeitsweise →